Öffentlicher Brief: Bitte um Ausladung der Bundeswehr FOS/BOS Rosenheim

FOS/BOS
Schulleitung
Herrn OStD Michael Frowein
Westerndorfer Straße 45
83024 Rosenheim
info@fosbos.bnro.de

Öffentlicher Brief: Bitte um Ausladung der Bundeswehr

Sehr geehrter Herr Frowein
Sehr geehrter Herr Kaube
Liebes Lehrer_innen Kollegium
Liebe SMV

im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen heißt es: „Die Schulen haben insbesondere die Aufgabe, zu verantwortlichem Gebrauch der Freiheit, zu Toleranz, friedlicher Gesinnung und Achtung vor anderen Menschen zu erziehen“. Außerdem heißt es im ersten Artikel: „Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen“. Mit Erstaunen mussten wir nun zur Kenntnis nehmen, dass Sie der Bundeswehr am 21.06. im Rahmen des Berufsinformationstags in ihrer Schule eine Werbeveranstaltung gestatten. Im September 2009 bombardierten zwei US-amerikanische Flugzeuge auf Anordnung eines bei Kunduz stationierten Offiziers der Bundeswehr zwei Tanklaster und die in der Nähe befindlichen Menschen. Dabei wurden offiziell 142 Menschen verletzt oder getötet. Darunter waren auch Kinder. Dies ist die bisher größte Anzahl von Opfern bei einem Einsatz der Bundeswehr. Jedoch wurde niemand der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Allein dieser Vorfall zeigt den Widerspruch zwischen dem Erziehungsauftrag zur friedlichen Gesinnung und dem Besuch der Bundeswehr.
Schulen im Visier der Bundeswehr.
Die deutschen Streitkräfte bemühen sich zunehmend Jugendliche als Nachwuchs zu ködern. Insbesondere Schulen geraten vermehrt ins Visier der Bundeswehr. Die Zahl der Anschreiben an Schulen für Karrieretreffs und direkte Besuche mit dem Karrieretruck ist allein im Jahr 2008 um 50 Prozent auf 1762 gestiegen. Seit dem Jahr 2010 ist ein weiterer größerer Anstieg zu erwarten, damit der Aussetzung der Wehrpflicht die Rekrutierungen stark zurückgingen. Die Armee stellt sich hier in Zeiten der Krise und sozialen Unsicherheit als sicherer Arbeitgeber dar, der mit hervorragenden Karrierechancen wirbt – die blutige Realität des Militärdienstes bleibt außen vor.
Die Bundeswehr ist kein normaler Arbeitgeber!
Nicht umsonst muss jeder Soldat und jede Soldatin vor dem Afghanistan-Einsatz das Testament schreiben. Denn seitdem die „Sicherheit Deutschlands“ auch am Hindukusch verteidigt wird (die wirtschaftlichen Interessen werden gerne übergangen) sind innerhalb des 10-jährigen Einsatzes über 50 deutsche Soldat_innen gestorben. Viele haben ihren Auslandseinsatz nicht verkraftet, selbst wenn sie körperlich unversehrt geblieben sind. Ein Drittel der Soldat_innen, die im Ausland Schreckliches gesehen haben oder an Schrecklichem beteiligt waren (was bei einem Kriegseinsatz durchaus „normal“ ist), ist danach nicht mehr dienstfähig und bedarf der psychologischen Hilfe. Weitaus mehr Kriegstote sind allerdings Zivilist_innen. Tausende von ihnen verloren allein in Afghanistan ihr Leben.
Engagement für den Frieden!
Wir appellieren an Ihre Verantwortung gegenüber den Schülerinnen und Schülern: Lassen sie nicht zu, dass die Bundeswehr auf dem Schulgelände der FOS/BOS Rosenheim Propaganda- und Anwerbeveranstaltungen durchführt. Tolerieren Sie keine totbringende Kriegspropaganda auf ihrem Schulgelände. Wir bitten Sie dringlich, die „Berufsinformation“ der Bundeswehr auf Ihrem
Schulgelände ersatzlos abzusagen. Bleiben Sie den Zielen staatlicher Schulen, konsequent für ein friedliches Miteinander einzustehen, verbunden. Zeigen sie, wie andere Schulen wie die Käthe Kollwitz Schule in Offenbach Engagement für den Frieden!

Mit der Hoffnung auf eine schnelle Reaktion und freundlichen Grüßen

gez. Alexander Steigmann

Offener Brief an FOS/BOS Rosenheim als pdf (19.06.12 | pdf )