Archiv für Mai 2009

Rosenheim: Aktionen gegen BW-Werbeveranstaltung (18.05.2009)

Rosenheim – Anlässlich einer Werbeveranstaltung der Bundeswehr an der Berufschule II kam es am gestrigen Montag (18.05.09) in der oberbayerischen Kleinstadt zu vielfältigen Gegenaktionen. Das Rosenheimer Friedensbündnis zeigte sich dennoch betrübt, dass abermals ein militärischer Rekrutierungseinsatz stattfinden konnte.
Bereits am frühen Morgen pflasterten Leichen den Weg der Bundeswehr. Aktivist_innen hatten sich symbolisch für Millionen von Kriegstoten in die Einfahrt der Berufsschule gelegt. Dadurch wurde die Zufahrt des Bundeswehr-Karriere-Trucks kutzzeitig verzögert.

An einem Infostand wurden zahlreiche Schüler_innen durch die Friedensinitiative mit kritischen Informationen zur Bundeswehr versorgt. In Gesprächen stellte sich schnell heraus, dass es sich bei der Bundeswehrvorführung keineswegs um Sozialkundeunterricht gehandelt haben konnte. Entgegen der verharmlosenden Darstellungen der Schulleitung wurde beispielsweise mit dem Verweis auf das Nettogehalt beim Bund oder das Verschenken von Plakaten mit Militärfahrzeugen ganz unverhohlen für den Kriegsdienst geworben.

„Beeindruckt hat uns vor allem die Geschichte einer Schülerin, die sich nach einem vergleichbaren Rekrutierungseinsatz der Bundeswehr verplichtet hatte. Sie hat aus Frust nach zwei Jahren bereits den Dienst quittiert und eine neue Ausbildung angetreten,“ erzählt ein Sprecher des Friedensbündnisses Rosenheim und fährt fort: „Gerne hätten wir solchen Menschen auch selbst das Wort erteilt, um die Mitschüler aus erster Hand zu informieren. Doch von Seiten der Stadt Rosenheim wurden dazu geeignete Kundgebungsmittel untersagt.“
In Rosenheim scheinen nämlich die Interessen von Bundeswehr,Schulleitung und Polizei offenbar mehr zählen, als die Meinungsfreiheit und so untersagte das Ordnungsamt Rosenheim nicht nur die Nutzung eines Lautsprecher sondern auch die eines Megaphons. Experten wie eine auf das Versamlungsrecht spezialisiere Anwältin halten dieses Vorgehen für rechtswidrig. Sinn und Zweck einer Versammlung sei es ja, nicht nur die eigenen Leute zu erreichen, sondern das Anliegen auch den Umstehenden mitzuteilen und einen breiten Bevölkerungskreis zu erreichen.
Aus diesem Grund entschied sich das Bündnis kurzfristig neben der Kundgebung mit eine Demonstration „gegen Militarisierung und Behördenwillkür“ auf die Thematik aufmerksam gemacht. Die Redebeiräge am Max-Joseph-Platz, die auch den Bundeswehreinsatz kritisierten, erhielten Zuspruch und Applaus bei Passant_innen.

Kritik für ihr Verhalten erntete aber auch die Polizei. Ein über den ganzen Tag andauernder Großeinsatz wird von dem Rosenheimer Friedensbündnis als überflüssig bewertet. „Wir haben den Eindruck gewonnen, der Staat fühle sich durch Menschen, die Krieg ablehnen, bedroht. Es ist denkwürdig, dass die Bundeswehr durch eine ganze Hundertschaft der Bereitschaftspolizei vor zwei Dutzend Antimilitarist_innen geschützt werden muss. Wir fragen uns ernsthaft, was dieser Staat eigentlich mit uns vor hat,“ so der Sprecher weiter abschließend.

Dokumentation der Proteste gegen den Bundeswehreinsatz an der Berufsschule II

Dokumentation der Proteste gegen den Bundeswehreinsatz an der Berufsschule II

Di 19.05. Bei indymedia erscheint ein Bericht:
http://de.indymedia.org/2009/05/251026.shtml

Di 19.05. Die onlineausgabe der Regionalzeitung ovb berichtet über die Demo (inc. Video):

http://www.ovb-online.de/news/landkreis_rosenheim/rosenheim_stadt/Rosenheim-Stadt;art4136,1436892

Mo 18.05. Das Regionalfernsehen berichtet über die Kundgebung vor der Schule: „Derzeit führt die Bundeswehr Veranstaltungen zur Nachwuchsgewinnung an der Berufsschule II in Rosenheim durch. Das wollten die Mitglieder der Friedensinitiative verhindern. Galt es doch den Karrieretruck der Bundeswehr zu stoppen. Auch vom Regen ließen sich die Aktivisten vom Rosenheimer Bündnis für Frieden nicht abschrecken. Die Bundeswehr ließ sich heute nicht in die Karten schauen. Sie stand unter Polizeischutz.“

http://tomcat.step2e.de:8080/step2e_tv/programm.jsp?bid=10411115

Mo 18.05 Die Redebeiräge am Max-Joseph-Platz, die auch den Bundeswehreinsatz kritisierten, erhielten Zuspruch und Applaus bei Passant_innen. Die Demonstration wird aufgelöst.

Mo 18.05. Nach einer Auftaktkundgebung startet die „kleine“ Demo in die Innenstadt (u.a. Fußgänger_innenzone. Passant_innen reagieren verwundert, aber interessiert.

Mo 18.05. Die Demo soll um 16:00 Uhr starten, bereits vor Demobeginn wird ein potentieller Demonstrationsteilnehmer wegen einem kleinen Taschenmesser in gewahrsam genommen.

Mo 18.05. Die Kundgebung wird um ca. 14:45 aufgelöst, keine Festnahmen

Mo 18.05 Ein Lehrer berichtet von einer Schülerin, die sich nach einem vergleichbaren Rekrutierungseinsatz der Bundeswehr verplichtet hatte. Sie hat aus Frust nach zwei Jahren bereits den Dienst quittiert und eine neue Ausbildung angetreten

Mo 18.05. Schülerinnen berichten von der Infoveranstaltung, es werde ganz unverhohlen für den Kriegsdienst geworben.

Mo. 18.05. Ein riesiges Polizeiaufgebot (Bereitschaftspolizei) schützt die Bundeswehr, ca 50 Polizisten und ca. 20 Antimiltarist_innen.

Mo 18.05. Mit einem antimilitaristischen Frühstück werden Schuler_innen, Lehrer_innen und Passant_innen informiert.

Mo 18.05 (frühmorgens): Mit einem „die in“ wird die Zufahrt des Bundeswehr-Karriere-Trucks kurzzeitig blockiert

Sa 16.05. Eine auf das Versammlungsrecht spezialisiere Anwältin hält den Auflagenbescheid für rechtswidrig. Sinn und Zweck einer Versammlung sei es ja, nicht nur die eigenen Leute zu erreichen, sondern das Anliegen auch den Umstehenden mitzuteilen und einen breiten Bevölkerungskreis zu erreichen. Allerdings ist eine Gerichtsentscheidung vor Versammlungsbeginn nicht zu erzwingen.

Fr 15.03 Als Reaktion auf das Verbot von Kundgebungsmitteln wie ein Megahon, wurde für Mo 18.05. eine Demonstration „gegen Militarisierung und Behördenwillkür“ angemeldet. Die Demo startet um 16:00 Uhr an der Berufsschule II (Wittelsbacherstr). Das antimilitaristische Frühstück findet selbstverständlich trotzdem am Mo 18.05 ab 7:30 Uhr statt.

Fr 15.03. antimilitaristische Proteste werden Versucht mit diversen Mitte zu verhindern. Für die Kundgebung am Montagvormittag, wurde eine Lautsprecheranlage und sogar ein Megaphon untersagt.

Fr 15.03. Die Materialien „gegen Totschlagargumente „sind angekommen und stehen für den Bundeswehreinsatz nächste Woche zur Verfügung.

Fr 15.03. Heute wurden die neuen Flyer (Vorderseite, Rückseite) werden vor Schulbeginn verteilt.

Do 14.03. Die neuen Flyer (Vorderseite, Rückseite) sind aus der Druckerei gekommen, wer welche braucht einfach melden frieden-rosenheim@gmx.de

Do 14.03 Der Aufruf zum antimilitaristischen Frühstück wird vor Schulbeginn an die Schüler_innen verteilt.

Mi 13.03.: Vor Schulbeginn werden Flyer verteilt. Wir sind überrauscht über die positiven Reaktionen. Sogar Lehrer finden unsere Aktion gut und ermutiegen uns zum weitermachen.

Di 12.05. Der Schulleiter antwortet auf unseren offenen Brief

Mo 11.05. Der Aufruf “ Einsatz an der Heimatfront – Bundeswehr Raus, aus der Berufsschule II in Rosenheim antimilitaristisches Frühstück am Mo. 18.05. um 7:30 Uhr“ wird veröffentlicht und der Rektor per E-Mail über die Kundgebung informiert

So 10.05. Die Flyer für die Schüler_innen der BS II sind fertig layoutet (Vorderseite, Rückseite) und sind in Druck gegeangen. Wir lassen die Flyer in einer höheren Auflage drucken, wenn ihr welche braucht, mailt an: frieden-rosenheim@gmx.de

So 10.05. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rosenheim und die Junge GEW Rosenheim unterstützen die Protestaktionen

Sa. 09.05.: Der Arbeitskreis Antifaschismus Rosenheim fordert unter dem Motto “ Antifaschismus statt Militarisierung“ die Absage der Bundeswehrveranstaltung an der BS II.

Sa. 09.05.: auf der antifaschistischen Demonstration in Wasserburg werden die Flugblätter „Bundeswehr wegputzen“ verteilt und in einem Redebeitrag der Infogruppe Rosenheim wird die die Militarisierung des öffentlichen Raums, am Beispiel der Berufsschule II in Rosenheim, kritisiert

Sa. 09.05.: attac Rosenheim unterstützt die Proteste gegen die Bundeswehrpropaganda an der Berufsschule II in Rosenheim

Fr 08.05.: Anonyme Schüler_innen mailen uns, sie hätten während der ersten Unterrichtsstunde Plakate „Ja morden“ an der BS II angebracht Zur Vormittagspause seien diese bereits wieder entfernt worden. Scheinbar ist kritisches Material zur Bundeswehr an der BS II nicht erwünscht

Do 07.05.: Für Montag 18.05. wurde eine antimilitaristische Kundgebung vor der Berufschule II angemeldet.

Do 07.05.: Das Regionalfernsehen Oberbayern berichtet über den Bundeswehreinsatz in der BS II

Do, 07.05.: Das Aktionsbündnis für kostenlose Bildung Rosenheim fordert den Rektor der Berufsschule II in einem E-Mail auf

die Kriegspropaganda an der BS II Schule nicht zuzulassen.

Mi, 06.05.:Die Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg unterstützt die Aktionenn

Mi, 06.05.: Radio Galaxi berichtet über den offenen Brief des Friedesbündniss

Mi, 06.05.: Diese Unterseite geht online.

Di,, 05.05.: Das Aktionsbündnis für Kostenlose Bildung Rosenheim (AKB) beschließt die unterstütz die Aktionen gegen die Bundeswehr an der Berufsschule II

Mo, 04.05.: Ein Radiobeitrag zu Militarisierung im öffentlichen Raum, geht online. Auf die Rekrutierungsversuche der Bundeswehr an Rosenheims Schulen wird eingegangen.

So, 03.05.: www.frieden-rosenheim.de wird um links und Materialien zum Thema Bundeswehr an Schulen ergänzt.

Fr, 01.05.: Auf der 1.Mai Kundgebung des Rosenheimer DGB und dem 1.Mai Fest in der Vetternwirtschaft werden die Flugblätter „Bundeswehr wegputzen“ verteilt.

Do, 30.04.: Das Friedensbündnis Rosenheim sendet einen offenen Brief an den Rektor der Berufsschule II.

Mi, 29.04.: Die Infogruppe Rosenheim informiert in ihrem Infomail über die Bundeswehrpropaganda an der BS II.

Di. 28.04.: Vorbereitungstreffen für Proteste gegen die Bundeswehrpropaganda an der BS II.

Aufruf Einsatz an der Heimatfront – Bundeswehr Raus, aus der Berufsschule II in Rosenheim antimilitaristisches Frühstück am Mo. 18.05. um 7:30 Uhr

Aufruf Einsatz an der Heimatfront – Bundeswehr Raus, aus der Berufsschule II in Rosenheim antimilitaristisches Frühstück am Mo. 18.05. um 7:30 Uhr

Einsatz an der Heimatfront –
Bundeswehr Raus, aus der Berufsschule II in Rosenheim
antimilitaristisches Frühstück am Mo. 18.05. um 7:30 Uhr

Vom 18. bis zum 20. Mai besucht die Bundeswehr die Berufsschule II in Rosenheim. In einem offenen Brief hat das Friedensbündnis Rosenheim an die Schulleitung appelliert, den Zielen der Schule – für ein konsequentes gewaltfreies Miteinander einzutreten – treu zu bleiben und diesen Reklameeinsatz zu verhindern. Bis jetzt erhielten wir leider keine Antwort.

Schulen im Visier der Bundeswehr
Die Bundeswehr plagen Nachwuchssorgen. Dies ist angesichts der immer zahlreicheren und zunehmend eskalierenden Auslandseinsätze kein Wunder. Dieses Imageproblem versucht das Militär durch sozialkundlichen „Nachhilfeunterricht“ durch speziell geschulte Jugendoffiziere zu beheben. Es gibt knapp 100 haupt- und 300 nebenamtliche Jugendoffiziere. Allein im Jahr 2005 führten die Jugendoffiziere fast 8.000 Einsätze durch und erreichten knapp 181.000 Menschen. Mit über 160.000 erreichten Schülerinnen und Schülern liegt der Schwerpunkt eindeutig im schulischen Bereich. Das Ziel sowohl für Auslandseinsätze zu werben als auch Nachwuchs zu rekrutieren soll durch professionelle Unterrichtsmaterialien und Strategiespiele wie POLIS (Politik und Internationale Sicherheit) erreicht werden.
Durch sogenannte Karrieretrucks und Infomobile, welche die Schulhöfe der Berufsschulen auch direkt ansteuern (u.a. geschehen in der BS in Bad Aibling vom 27. bis zum 30. April) wirbt die Bundeswehr mit hervorragenden Karrierechancen und sicheren Arbeitsplätzen – die blutige Realität des Militärdienstes bleibt außen vor.

Die Bundeswehr ist kein normaler Arbeitgeber

Nicht umsonst muss jede_r Soldat_in vor dem Afghanistan-Einsatz sein Testament schreiben. Denn seitdem die „Sicherheit Deutschlands“ auch am Hindukusch verteidigt wird (die wirtschaftlichen Interessen werden gerne übergangen) sind innerhalb des 6-jährigen Einsatzes über 30 deutsche Soldat_innen gestorben, der letzte am 29. April diesen Jahres. Viele haben ihren Auslandseinsatz nicht verkraftet, selbst wenn sie körperlich unversehrt geblieben sind. Ein Drittel der Soldat_innen, die im Ausland Schreckliches gesehen haben oder an Schrecklichem beteiligt waren (was bei einem Kriegseinsatz durchaus „normal“ ist), ist danach nicht mehr dienstfähig und bedarf der psychologischen Hilfe. Weitaus mehr Kriegstote sind allerdings Zivilist_innen. Tausende von ihnen verloren allein in Afghanistan ihr Leben. Im August 2008 erschossen deutsche Militärs bei einer Straßenkontrolle zwei Kinder und eine Frau, ohne dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden sind.

In der afghanischen Bevölkerung stößt die internationale Militärintervention mittlerweile auf große Ablehnung. Immer mehr Menschen fordern den Abzug der Truppen, da ihr Einsatz zusätzliche Gewalt und politische Konflikte gebracht hat. Nach wie vor stößt der militärische Einsatz in Afghanistan auch bei der Mehrheit der deutschen Bevölkerung auf Ablehnung. Dies ist auch der Grund warum statt Ausbildungs- und Studienplätzen mit Millionen Euro die Militärpropaganda finanziert wird.

Aktion für das Leben!

Um diesen Propagandafeldzug auf dem Pausenhof etwas entgegenzusetzen werden wir am Mo 18.05.09 ab 7:30 Uhr eine antimilitaristisches Frühstück vor der Berufsschule II durchführen. Folgende Gruppierungen stehen hinter den hier aufgeführten Inhalten und unterstützen diesen offenen Brief mit der Forderung den Bundeswehrbesuch ersatzlos zu streichen:

Friedensbündnis Rosenheim | AK Antifaschismus Rosenheim | AK kostenlose Bildung Rosenheim | Attac Rosenheim | Antifa Miesbach | Friedensinitiative Traunstein, Trostberg, Traunreuth | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rosenheim | Infogruppe Rosenheim | Junge GEW Rosenheim | V. i. S. d. P.: G. Größ c/o Friedensbündnis Rosenheim Oberaustr.2, 83026 Rosenheim

Pfingsten 2009: Auf nach Mittenwald!

Pfingsten 2009: Auf nach Mittenwald! Die militaristische Traditionspflege der Gebirgsjäger angreifen!
Entschädigung aller NS-Opfer! Keine Straffreiheit für Kriegsverbrecher!

Seit Anfang der 1950er Jahre versammeln sich alljährlich junge Soldaten aus aktiven Gebirgsjäger-Einheiten und alte Kameraden aus Wehrmachtsverbänden im bayerischen Mittenwald. Gemeinsam ehren sie ihre Toten aus zwei Weltkriegen und den Kriegen der Gegenwart. Traditionspflege bedeutet für sie: Die Massaker und andere Kriegsverbrechen, die die Gebirgstruppe während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland, Italien, Frankreich und anderen von Deutschland besetzten Ländern Europas begingen, ungebrochen als heldenhaftes soldatisches Handeln zu glorifizieren und in dieser Linie ihre aktuellen Kriegseinsätze abzufeiern.

Gegen diesen militaristischen Kult protestieren wir seit sieben Jahren.
So auch in diesem Jahr.

Mittenwald steht exemplarisch für die Verquickung von deutschem Militär, Kirche und Gesellschaft. Wie einst die Wehrmacht, ist heute die Bundeswehr der größte Arbeitgeber im Ort. Die gesamte Stadt ist mit ihrer politischen, ökonomischen und sozialen Struktur auf das Engste mit dem Militär verbunden. Das schafft Loyalitäten mit Mördern und Kriegsverbrechern, die schwerer wiegen als die offenkundig zu abstrakt gebliebene politisch-moralische Verpflichtung, sich mit deren Opfern auseinander zu setzen und dieser zu gedenken. Bis heute weigert sich die Gemeinde beispielsweise, für die Opfer von Massakern der Gebirgstruppe der Wehrmacht auf Kephallonia und in Falzano ein Denkmal zu errichten. Gemeinsam mit Überlebenden der nationalsozialistischen Besatzungs- und Vernichtungspolitik werden wir der Stadt deshalb in diesem Jahr ein bleibendes Denkmal übergeben, einen „Stein des Anstoßes“, der die Auseinandersetzung mit den Kriegsverbrechen am Standort der 1. Gebirgsjägerdivision in den Ort tragen und befördern soll.

Unsere Kampagne „Angreifbare Traditionspflege“ hat die Gebirgstruppe in die Defensive gezwungen. Seit unserer ersten Intervention in Mittenwald 2002 nahm eine stetig wachsende Öffentlichkeit zur Kenntnis, welche Kriegsverbrechen Gebirgsjäger zu verantworten haben. Der dadurch gewachsene politische Druck führte unter anderem zu dem Verfahren gegen das Mitglied des Kameradenkreises Josef Scheungraber, der seit September 2008 in München vor Gericht steht. Seine Einheit hatte im August 1944 als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 15 ZivilistInnen in Falzano di Cortona in ein Bauerhaus gesperrt und es dann gesprengt. Bis auf einen 15-jährigen Jungen kamen alle Personen ums Leben. Das italienische Militärgericht in La Spezia verurteilte Scheungraber wegen dieses Verbrechens 2006 zu lebenslanger Haft. Es ist zwar ein Erfolg, dass der Prozess gegen Scheungraber nun überhaupt auch in Deutschland stattfindet und dass das Verbrechen auch hier nicht länger unter den Teppich gekehrt werden kann. Dennoch wird das Verfahren wohl leider auf einen Freispruch hinauslaufen. Damit wäre ein zentrales Ziel nicht erreicht: Ein insbesondere für die Angehörigen der Ermordeten offizielles Anerkennen, dass es sich um ein Kriegsverbrechen gehandelt hat.

Auch in Mittenwald selbst hat sich seit Beginn unserer Proteste einiges geändert:

Im Jahr 2001 konnte das Traditionstreffen noch als größtes deutsches Soldatentreffen mit bis zu 5000 TeilnehmerInnen rechnen. In den letzten Jahren kamen allerdings (nur) noch 500 bis 1000 Kameraden, KumpanInnen und Kriegsverbrecher auf den Hohen Brendten. Dies ist zum einen sicher der Tatsache geschuldet, dass viele unterdessen verstorben sind. Zum anderen ist aber sicher vielen der Spaß an ihrem geselligen Zusammensein mit den Kameraden gründlich verdorben, da sie jedes Jahr aufs neue mit dem Vorwurf konfrontiert werden, keine Kriegshelden, sondern Mörder zu sein.

Der wiederkehrende Protest hat zudem dafür gesorgt, dass immer weniger TouristInnen in Mittenwald einen Ort für ruhiges Entspannen sehen. Seit zwei Jahren muss die Traditionsfeier daher auf Drängen der Gemeinde Mittenwald auf andere Termine verlegt werden. Auch in diesem Jahr haben die Kameraden angekündigt, ihr Treffen zwei Wochen vor dem Pfingsttermin abzuhalten. Stattdessen werden wir zu Pfingsten vor Ort sein und den traditionellen Termin ihrer Heldenfeier inhaltlich neu besetzen:

Im Mittelpunkt werden gemeinsam mit Überlebenden die Erinnerung an die NS-Opfer und die Verbrechen der Täter stehen. Wir wollen damit den Teil der Kampagne abschließen, der sich gegen die Brendtenfeier und die Vertuschung der Verbrechen richtet. Mit dem Denkmal für die Bevölkerung Mittenwalds werden wir einen „Stein des Anstoßes“ im Ort der Täter schaffen, in dem sich die das Gedenken an die Opfer deutscher Kriegsverbrechen und deren Forderung nach Entschädigung manifestiert. Bildlich gesprochen: In Mittenwald ist jeden Tag Pfingsten. Die Leugnung der Kriegsverbrechen und die Verhöhnung der Opfer findet in der alljährlichen Brendtenfeier ihre Zuspitzung, doch sie ist Teil des Alltags im Divisionsstandort Mittenwald. Unsere Intervention zielt darauf, in diesem deutschen Alltag einen Ort des Erinnerns und der alltäglichen Auseinandersetzung zu schaffen.

Die Verdrängung der Verbrechen, die Auslöschung der Erinnerung an die Opfer und die Straflosigkeit der Täter ist die Voraussetzung für den Militarismus von heute. Die deutsche Justiz hat zum einen praktisch niemanden für die Massaker der Gebirgsjäger verurteilt. Deutsche Täter hatten im Nachkriegsdeutschland nichts zu befürchten. Zum anderen weigert sich die Bundesregierung bis heute, die Opfer oder deren Angehörige von SS-und Wehrmachtsmassakern in Italien und Griechenland zu entschädigen. Nun reichte die Bunderegierung sogar gegen rechtskräftige Urteile italienischer und griechischer Gerichte, die Deutschland zu Entschädigungszahlungen verpflichten, Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein. Dabei beruft sie sich auf die Staatenimmunität. In einer Zeit, in der die Bundeswehr, darunter zahlreiche Einheiten der Gebirgsjäger, weltweit Krieg führt, ist es offenbar notwendig, den Militärs juristisch den Rücken frei zu halten. Denn seit Mitte der 1990er Jahre kämpfen Gebirgsjäger in der Bundeswehr als Bestandteil der Krisenreaktionskräfte und des Kommandos „Spezialkräfte“ an zahlreichen Kriegsschauplätzen. Auch die Kriege der Gegenwart sind ohne Mord, Vergewaltigung und Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung nicht denkbar.

Diesem Zusammenhang zwischen der Entsorgung der Geschichte und dem aktuellen aktuellen Militarismus werden wir uns in Zukunft verstärkt widmen. Neben der historisch ausgerichteten Thematisierung des Militarismus werden die Unterstützung der Entschädigungsforderungen der NS-Opfer sowie die Forderung und kritische Begleitung von Gerichtsverfahren gegen deutsche Kriegsverbrecher ein wichtiger Bestandteil unserer antifaschistischen Initiativen sein. Diese historisch eingebettete Auseinandersetzung kann nicht umhin, auch den aktuellen Militarismus in die Fokus zu nehmen. Das Militär hat keine Zukunft. Es ist Garant einer Gegenwart, die jeder emanzipatorischen Entwicklung der Menschheit entgegensteht, in Mittenwald und überall.
Ein Denkmal für die Opfer der Gebirgsjäger!

* Im Rahmen der Proteste gegen die Traditionsfeier der Gebirgsjäger, wurden bereits drei Mal Installationen errichtet, die am Standort der Gebirgsjägerdivision der Opfer Ihrer Kriegsverbrechen gedenken sollten. Alle Installationen wurden nach kurzer Zeit wieder entfernt bzw. zerstört: 2003 | Im Vorfeld des Traditionstreffens wurden die Stein-Stelen auf dem Hohen Brendten mit einer neuen Beschriftung versehen: Der Schriftzug: „Gegen die Traditionspflege der Gebirgsjäger – Entschädigung aller NS-Opfer“ wurde rasch wieder entfernt.
* 2004 | Während der Demonstration gegen die Brendtenfeier wurde eine 1 mal 1,5 Meter große Gedenktafel an der Fassade der katholischen Kirche angebracht. Mit dem Text: „Im 2. Weltkrieg haben in Mittenwald ausgebildete Gebirgsjäger überall in Europa Kriegsverbrechen begangen. Wir gedenken der bei diesen Massakern ermordeten Menschen und verurteilen die Zerstörung der Orte. Bis jetzt sind Dorf-/Ortszerstörungen und Massaker bekannt in: [Aufzählung von 50 Orten]“ Die Tafel wurde unmittelbar nach der Demonstration zerstört.
* 2007 | Eine Installation bestehend aus 100 Kisten, von denen jede den Namen eines Ortes trug, in dem Gebirgsjäger an Massakern beteiligt waren, wurde im Zentrum von
Mittenwald von Demonstranten aufgestellt. Sie wurde am gleichen Abend von der Müllabfuhr abgeräumt.

Ehrenmäler der Gebirgsjäger in Mittenwald

* Seit 1957 besteht das Soldaten-Ehrenmal der Gebirgsjäger auf dem Hohen Brendten. Eingeweiht wurde es am 10. Juni 1957 – dem Jahrestag der Massaker in Lidice und Distomo. Es besteht aus zwei gemauerten Stelen die in der Mitte von einem Holzkreuz überragt werden. Die Stelen tragen die Aufschrift „1914-1918“, „1939 – 1945“ sowie „Errichtet von den heimgekehrten Kameraden der Gebirgstruppe 1957“.
* Neben diesem Ehrenmal existiert in der kleinen Kapelle im Zentrum Mittenwalds eine Art Altar mit Fotos einiger gefallener Gebirgsjäger. Darunter auch das Bild des Gebirgsjägeroffiziers Josef Salminger. Der Vater des bis 2008 in Mittenwald amtierenden Bürgermeisters, Hermann Salminger, war ein fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus und für das Massaker in Kommeno verantwortlich, bei dem 317 ZivilistInnen ermordet wurden. „Wir (haben) einen Gegner zu zerschlagen (…), den man nur als Tier und Bestie bezeichnen kann. Diese kommunistische Verbrecherbande (…) muß völlig aufgerieben und vernichtet werden“, schrieb er am 1. Juli 1941 kurz nach dem Beginn des Überfalles auf die Sowjetunion in einem Tagesbefehl an seine Truppe. (Zitiert nach H.F. Meyer, Blutiges Edelweiß, S. 62)
* Das jüngste Denkmal der Gebirgstruppe zeigt einen bepackten Maulesel. „Dem Tragetier, dem unentbehrlichen Helfer des Menschen in den Bergen errichtet in Erinnerung an die Tragetierführer“, steht auf einer Bronzeplatte. Der bayrische Ministerpräsident verdinglichte das unschuldige Tier in seinem Grußwort zur Einweihung 1978 als „unersetzliches Transportmittel“